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January 11th, 2019
von → manuel

Am 7. Januar 1839 hatte der Physiker François Arago, der als Leiter des Pariser Observatoriums großen Einfluss besaß, die Akademie der Wissenschaften in Paris über Louis Daguerres neues Verfahren unterrichtet, jedoch nur unzureichende Ergebnisse vorgelegt. Am 20. Mai 1839 war Bayard erstmals bei Arago vorstellig geworden, um die Patentierung und Publikation seiner Erfindung zu erreichen. Doch Arago war bereits mit der Verwertung von Daguerres Verfahren beschäftigt und lehnte ab, obwohl Bayards Verfahren genauer dokumentiert war und vielversprechender erschien.

Am 24. Juni 1839 stellte Bayard schließlich 30 direktpositive Papierbilder in der Salle des Commissaires-prisseurs in Paris öffentlich aus – die erste Fotoausstellung der Welt – einen Monat bevor Daguerre sein Verfahren überhaupt kommissarisch beglaubigt hatte (30. Juli 1839). Am 19. August 1839 veröffentlichte François Arago vor der Akademie schließlich die Patentschrift der Daguerreotypie, die binnen weniger Monate in acht Sprachen übersetzt wurde. Hippolyte Bayards Bestreben, seine Erfindung entsprechend publik zu machen oder effektiv zu vermarkten, war gescheitert.

Obwohl Hippolyte Bayard neben Niepce, Daguerre und dem Briten William Henry Fox Talbot der vierte „Urvater“ in der Geschichte der Fotografie war, hatte er das Wettrennen gegen die schnell kommerzialisierten Verfahren der Daguerreotypie und der Talbotypie (Kalotypie) verloren und geriet als unabhängiger „Mit-Erfinder“ der Fotografie ins Abseits.